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	<title>Kommentare zu: Home</title>
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		<title>Von: einfachesleben</title>
		<link>http://de.lovos.org/#comment-36</link>
		<dc:creator><![CDATA[einfachesleben]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 31 Jan 2011 15:13:14 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Burkhard Bierhoff: Vom Konsumismus zur „Freiwilligen Einfachheit“ (1)
Quelle: http://umweltdebatte.de/bierhoff.htm (31.01.2011)

&quot;Laßt uns darüber nachdenken, wie wir uns unabhängig von der Großen Maschine nähren, wärmen, kleiden, bilden und gesund erhalten können. Beginnen wir daran zu arbeiten, ehe sie uns vollends durchgesteuert, einbetoniert, vergiftet, erstickt und eher früher als später atomar totalvernichtet hat.” (Rudolf Bahro) (2)

In meinem Beitrag möchte ich zur Kritik der heute weitverbreiteten konsumistischen Lebensweise beitragen und dabei wesentliche Gedanken von Rudolf Bahro aufnehmen. Diese Lebensweise kann aufgrund ihres ungeheuren Ressourcenverbrauchs und der in ihrem Gefolge zu verzeichnenden globalen Zerstörung nur temporär sein. In Erkenntnis dieser Problematik gehen die Bemühungen einer wachsenden Anzahl von Menschen dahin, den Verbrauch auf ein „vernünftiges“ Maß zurückzuschrauben. Das für die Zukunft der Menschheit entscheidende Problem, das in den reichen westlichen Gesellschaften gelöst werden muss, liegt darin, eine neue verallgemeinerungsfähige Lebensweise zu entwickeln, die sich rigoros von dem destruktiven Konsumismus verabschiedet und die Bevölkerung mehrheitlich in ihren Bann zu ziehen vermag. Diese Lebensweise wird nur auf der Grundlage einer motivierenden Einsicht der Vielen in die globalen Zusammenhänge möglich werden.
Bereits in Die Alternative (1977) ging es Bahro „um den Entwurf eines Programms, für das man Menschen mobilisieren kann, die nicht mehr weitermachen wollen wie bisher.“(3) Sein Wirken war immer mit einem aufklärerischen Interesse verbunden. In seinen späteren Schriften hat er seine Position radikalisiert und angesichts der ökologischen Zerstörung eine gegen die Megamaschine gerichtete Logik der Rettung (1990) entworfen.
Eine lebensdienliche Wissenschaft kann durch die Initiierung von Aufklärungsprozessen (im Sinne der von Alexander Mitscherlich so bezeichneten Sachbildung, Affektbildung und Sozialbildung) das rettende Programm eines einfachen Lebensstils unterstützen. Die hier anzusprechenden Fragen sind: Was kommt nach dem Konsumismus? Wird der Homo consumens vom Homo integralis abgelöst werden? - Doch zunächst soll die prekäre Ausgangslage skizziert werden.
Mit Erich Fromm stimmt Rudolf Bahro unter anderem darin überein, dass die Menschen in den konsumistischen Gesellschaften eine fremdbestimmte Bedürfnisstruktur ausgebildet haben und die weitere Entwicklung im Sinne tödlichen Fortschritts nur noch durch eine radikale Veränderung abzuwenden ist, dass es trotz aller krisenhaften Zuspitzungen Kräfte der Umkehr gibt und Entwicklungen, die hoffnungsvoll stimmen.
Ausgangspunkt der Zivilisationskritik von Bahro ist die immer mehr zur Gewissheit gewordene Vermutung, dass eine Gesellschaft, die ihre Kräfte tauschwertorientiert vorrangig in die Erzeugung von Reichtümern (Waren, Güter) investiert, kulturell ihre Zukunftsfähigkeit verspielt. Bahro thematisiert - darin Erich F. Schumacher vergleichbar (4) - die Ausbeutung der natürlichen Ressourcen als ungelöstes Problem der industriellen Güterproduktion. Die Produktion von Waren führt zu einem ungeheuren Anstieg der Naturausbeutung, da im industriellen Entwicklungsmodell Güter produziert werden, ohne die Endlichkeit und den Verbrauch der Ressourcen in die Gesamtrechnung einzubeziehen. Es ist auf einen verschwenderischen Verbrauch ausgerichtet, da dieser das Gegenstück zur Massenproduktion ist. Dieses industrielle Entwicklungsmodell kann sich - wenn auch nur temporär - aufrechterhalten, indem es den Menschen das Konsumieren als unbedingt zu befolgende Notwendigkeit oktroyiert. Entsprechend müssen die Menschen auf die scheinbare Notwendigkeit eines ungebremsten Konsums eingestellt werden, was einem gesellschaftlich legitimierten Betrug am Menschen gleichkommt. Seine Bedürfnisse werden angestachelt, seine Gier und Unersättlichkeit genährt und gesteigert mithilfe der neuen Strategien des Erlebnismarketing in der Werbung.
Bahro gebrauchte zwar nicht den Begriff des Konsumismus, analysierte aber entsprechend den “Teufelskreis der kapitalistischen Wachstumsdynamik“:
&quot; Je mehr produziert wird, desto mehr muß erjagt, besessen und verbraucht werden, desto mehr psychische Energie wird in abstrakter Arbeit und kompensatorischen Genüssen gebunden und bleibt den emanzipatorischen Kräften entzogen. ... Das kompensatorische Haben-, Verbrauchen-, Konsumierenwollen und -müssen erzwingt die Fortsetzung einer Erzeugungsschlacht ...”, deren Grundlage die „massenhaften kompensatorischen Bedürfnisse“ sind.(5)
Diese Bedürfnisse sind repressiv in die konsumistische Struktur eingebunden, die als totalitärer Komplex die in die Megamaschine eingebundene Herrschaft sichert, indem sie die Individuen im scheinbar freiwilligen Massenkonsum zur Loyalität bewegt. In der Überwindung dieser Subalternität durch die Umgestaltung der gesamten modernen Produktionsweise sieht Bahro die einzig mögliche Alternative zu der grenzenlosen Expansion der materiellen Bedürfnisse.(6)
Unter Exterminismus versteht Bahro ein Zivilisationsstadium jenseits der ökologischen Stabilität, das die Tendenz zeigt, im Ungleichgewicht von Produktiv- und Destruktivkräften weltweit zunehmend destruktive Wirkungen bis hin zur “Selbstzerstörung” zu entfalten (vgl. Edward Thompson). Dieser Prozess verläuft unterhalb des wachen Bewusstseins, denn: “Wir nehmen die verschiedensten exterministischen Einzeleffekte billigend in Kauf ...” und halten “an einer gewohnten Praxis fest, die sich als selbstmörderisch herausstellt, ohne so gemeint zu sein.”(7)
Die Befreiung von unmittelbarer wirtschaftlicher Not und existentieller Unsicherheit hat nicht zu einer Verfeinerung der Bedürfnisse geführt, sondern zunehmend kompensatorische Bedürfnisse evoziert. Ihr massenhaftes Auftreten ist Indikator für die heutige Unfreiheit. Die meisten Menschen verhalten sich subaltern, indem sie sich “der entfremdenden Autorität unterwerfen und nach den von ihr ausgesetzten Wohlverhaltensprämien greifen” und in grenzenloser Gier ihre materiellen Bedürfnisse ausdehnen.(8) Das gilt nicht nur für personale Unterwerfungsverhältnisse, sondern auch für die „anonymen Autoritäten“ wie Moden und die öffentliche Meinung (vgl. Erich Fromm), die die Menschen ohne ausdrücklichen Befehl zum Gehorsam zwingen.
Die kompensatorischen Interessen und Bedürfnisse zeigen sich in dem Streben vieler Menschen nach bequemen Ersatzbefriedigungen. Bahro: “Die kompensatorischen Interessen ... sind die unvermeidliche Reaktion darauf, daß die Gesellschaft die Entfaltung, Entwicklung und Bestätigung zahlloser Menschen frühzeitig beschränkt und blockiert. Die entsprechenden Bedürfnisse werden mit Ersatzbefriedigungen abgespeist. Man muß sich im Besitz und Verbrauch von möglichst vielen, möglichst (tausch-)wertvollen Dingen und Diensten dafür schadlos halten, daß man in den eigentlich menschlichen Bedürfnissen zu kurz gekommen ist.”(9)
Von den kompensatorischen Interessen sind die emanzipatorischen Interessen streng geschieden: “Die emanzipatorischen Interessen ... richten sich auf das Wachstum, die Differenzierung und die Selbstverwirklichung der Persönlichkeit in allen Dimensionen menschlicher Aktivität. Sie verlangen vor allem die potentiell allumfassende Aneignung der in anderen Individuen, in Gegenständen, Verhaltensweisen, Beziehungen objektivierten menschlichen Wesenskräfte, ihre Verwandlung in Subjektivität, in einen Besitz nicht der juristischen Person, sondern der geistigen und sittlichen Individualität, der seinerseits nach produktiver Umsetzung drängt.”(10)
Je mehr die Menschen ihre emanzipatorischen Interessen entdecken und kultivieren, um so mehr nähern sie sich dem an, was Bahro als den integralen Menschen bezeichnet hat. Bahro bezieht sich “auf die von Jean Gebser in seinem Werk ‘Ursprung und Gegenwart’ entworfene Idee des Homo integralis”. “Es ist in neuem Gewand die alte Idee des vollständigen, alle in ihm angelegten Vermögen realisierenden Menschen.”(11) Damit Menschen sich in diesem Sinne entwickeln und entfalten können, bedürfen sie nicht nur einer Vision, sondern auch einer Ordnungsstruktur, die den Ausdruck der höheren Bewusstseinskräfte fördert.
Viele Gesellschaftskritiker beschreiben die zeitgenössische Lebensweise als pathogen, was in einem Syndrom verschiedener Haltungen und Verhaltensweisen zum Ausdruck kommt: geringes Selbstwertgefühl, kompensatorische Aktivitäten, Konsumismus, Passivität, Geschäftigkeit, chronische Depression, Langeweile, Habgier, Unüberlegtheit, Rücksichtslosigkeit, Mangel an Bewusstsein, Hingabe an Idole und Gleichgültigkeit. Auf dieser psychosozialen Grundlage gedeiht die Warenproduktion mit der kompensatorischen Konsumtion. Auf der Ebene des Subjekts strukturiert der Konsumismus durch Kult- und Erlebnismarketing die Erlebniswelten der Menschen bis hin zum Einkaufen als Zeitvertreib. Demgegenüber ist bei Jean Gebser - von Rudolf Bahro aufgegriffen - die Idee der Transformation dieser Bewusstseinsverfassung, die als mental-rational bezeichnet wird, hin zum integralen Bewusstsein zu finden: „anstelle der Hektik tritt die Stille und das Schweigenkönnen; anstelle des ausschließlichen Zweck und Zieldenkens tritt die Absichtslosigkeit; anstelle der Machtstrebens tritt Hingabe und echte Liebesfähigkeit; anstelle des quantitativen Leerlaufs tritt das qualitativ geistige Geschehen; anstelle der Manipulation tritt das geduldige Gewährenlassen der fügenden Kräfte“; usw. (12)
Die weltweit vorhandenen Ressourcen erlauben keine Fortsetzung oder Expansion der industriellen Massenfertigung mit ihrem konsumistischen Lebensstil. Die einzige Alternative, die eine ökologische Katastrophe verhindern könnte, liegt in der Wahl einer neuen Lebensweise, die von einer nachhaltigen Produktions- und Verbraucherorientierung bestimmt ist. Grundlage für diese Kehrtwende ist der Umbau des Industriesystems. Dieser Umbau erscheint nur möglich mit Menschen, die sich an den historisch neuen globalen Problemlagen orientieren und ihre Bedürfnisse und Wünsche, Einsichten, Entscheidungen und sozialen Bezogenheiten mit ihrer Lebensweise verändern. Ein entsprechendes Leitkonzept ist mit der “freiwilligen Einfachheit” (“Voluntary Simplicity”) gegeben. Von Richard Gregg 1936 formuliert, beschreibt es eine Alternative zum Leben in der modernen Gesellschaft mit ihrer Massenproduktion und -konsumtion.(13) Greggs Grundgedanke war, auf der Grundlage buddhistischer Werthaltungen einen kulturspezifischen Beitrag zu einem einfachen Leben zu leisten, das weder von einem asketischen Lebensstil geprägt ist noch auf heteronomer Triebkontrolle und Unterdrückung gründet. Seit den 70er Jahren wurde die Idee der “Freiwilligen Einfachheit” weiterentwickelt. Da mit dem Zurückschrauben des Überkonsums eine höhere Lebenszufriedenheit erfahren wird, hat sich in den vergangenen Jahrzehnten der Kreis dieser Menschen vergrößert.
Auch Bahro plädiert entschieden für einen einfachen Lebensstil: “Nur bei einem auf Subsistenzwirtschaft gegründeten Lebensstil freiwilliger Einfachheit und sparsamer Schönheit können wir uns, wenn wir außerdem unsere Zahl begrenzen, auf der Erde halten.”(14)
Der auf dem Ideal der &quot;Freiwilligen Einfachheit&quot; basierende Lebensstil bemüht sich um ein niedrigeres Konsumniveau und bevorzugt Werte wie Unabhängigkeit, Selbstständigkeit und ökologische Verantwortung. Diese “kontraktive Lebensweise” (Bahro) bedeutet die Abkehr von der Orientierung am Haben. Der Bedarf an Geld und Waren wird reduziert; gleichzeitig reduzieren sich auch Hektik und Lebensangst. Zentral sind die Änderungen des Verbraucherverhaltens. Statusorientierter Geltungskonsum und Einkaufen als Zeitvertreib werden abgelehnt. Die Konsumhaltung richtet sich auf konkreten Gebrauchswert (anstelle abstrakten Tauschwertes).
Der einfache Lebensstil beinhaltet auch eine gesunde, umweltbewusste, regional ausgerichtete, vielseitige, vegetabile Ernährung mit weitgehendem Verzicht auf Fleisch und Wurstwaren. Präferiert werden Produkte vom lebenden Tier, das artgerecht und umweltbewusst gehalten wird. Die vegetarische oder vegane Ernährung bietet unter anderem den Vorteil, dass die Erzeugung pflanzlicher im Vergleich zu tierischer Nahrung weniger Energie und kleinere Anbauflächen erfordert (so könnte z.B. vermieden werden, das für die Tierhaltung erforderliche Weideland durch die Abholzung von Primärwäldern zu gewinnen). Hinzu kommt ein sparsamer Gebrauch von Gebrauchsgütern und technischen Geräten wie Computer und Handy mit verlängerter Nutzungsdauer. Zum diesbezüglichen Problembewusstsein gehört etwa auch die Einschätzung des Zeitaufwands, der bei der Nutzung von technischen Geräten erforderlich ist. So ist beispielsweise bei der Nutzung von Digitalkameras eine verbreitete Erfahrung ein Vielfaches an aufzuwendender Zeit, wenn digitale Bilder ausgewählt und evt. nachgearbeitet werden. Während beim Kleinbildfilm die Filmabgabe und Bilderabholung mit einem minimalen Zeitaufwand verbunden war, erhöht sich die aus technischen Gründen notwendige Zeitnutzung bei der Digitalkamera um ein Vielfaches. So zeigt dieses Beispiel, dass wir mit unseren Kaufentscheidungen immer wieder in das bestehende ökonomische, technologische und bürokratische System eingebunden werden.
Des weiteren wird versucht, Elektroschrott etwa durch Verlängerung der Nutzungsperioden (z.B. für Computer) einzuschränken. Spielwaren mit elektronischen Bauteilen werden abgelehnt, da sie den Müll mit Batterien und chemischen Verbindungen belasten, ganz abgesehen von dem Schaden, den dieses Spielzeug für die Phantasie und Kreativität in der kindlichen Entwicklung bedeuten kann.
Hinzu kommt, dass Werbung als ein Manipulationsinstrument zurückgewiesen wird, da sie künstlich neue Bedürfnisse zu erzeugen sucht. Die Rolle der Massenmedien wird kritisch hinterfragt, besonders jene des Fernsehens. Als ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zu einem einfachen Lebensstil wird erachtet, ohne die Banalität von stundenlangem Fernsehkonsum auszukommen. -
Die Frage, die sich nach diesen (nicht zuletzt auch präskriptiven) Skizzierungen des einfachen Lebensstils ergibt, ist, ob in den gegenwärtig verbreiteten Lebensstilen Veränderungen aufzufinden sind, die deutlich und zunehmend in Richtung ökologischen Problembewusstseins und einer neuen Bescheidenheit verweisen. Soweit ich sehe, gibt es hier im wesentlichen drei Ansätze, die diese Entwicklungen aufnehmen. Am bekanntesten sind die Untersuchungen des Marktforschers und Soziologen Paul H. Ray, der zusammen mit Sherry Ruth Anderson neben den Traditionalisten und den Modernisten ein weiteres Lebensstilsegment empirisch bestätigt hat, dessen Angehörige er als Kulturell Kreative bezeichnet. (15) Auch das Akronym „LOHAS“, das für „Lifestyles of Health and Sustainability“ steht, geht auf diese Forschungen zurück. Des weiteren ist als Bezeichnung auch der „Lifestyle of Voluntary Simplicity“ (teils auch im Plural: „Lifestyles“) zu finden; da es sich hier aber nur um ein sehr kleines Marktsegment handelt, wird dieser Lebensstil weniger intensiv thematisiert. - In Deutschland gibt es neuerlich zwei Veröffentlichungen, die Veränderungen im Sozialcharakter thematisieren, aber auch als Beschreibungen von neuen Lebensstilen rezipiert werden können. In einer Arbeit zur Modulierung des Sozialcharakters durch das Fernsehen stellt Peter Winterhoff-Spurk (2005) eine „Vereisung des Sozialcharakters“ fest, den er im histrionischen Charakter beschreibt. Rainer Funk hingegen untersucht die Psychodynamik der postmodernen Ich-Orientierung, die er in einer passiven und einer aktiven Variante des Sozialcharakters beschreibt.(16) Beide Bücher unterscheiden sich vom Erkenntnisinteresse deutlich von der Marktforschung, der es ja primär um die Erschließung neuer Absatzmärkte geht und nicht um die Untersuchung von neuen gesellschaftlichen Teilkulturen, aus denen Konsumkritik und gegenkonsumistische Lebensstile erwachsen. 
Als Typ eines neuen Konsumenten wurde zuerst in den USA, inzwischen auch in Deutschland, in empirischen Untersuchungen der LOHAS-Typ entdeckt. In den USA soll er bereits ca. 30 % der Verbraucher umfassen. Die LOHAS fungieren als ein Sammelbegriff für neue Lebensstile, die auf Gesundheit und Nachhaltigkeit bezogen sind. Zu hinterfragen ist jedoch der einseitige und verzerrende Gebrauch der Leitbegriffe “Gesundheit” und “Nachhaltigkeit”.
Dieser postmoderne Typ des Konsumenten zeigt sich ich-orientiert, unabhängig, umweltbewusst, gesundheitsorientiert und präferiert Bio-Lebensmittel. Beschreibbar ist er mit der Trias von „Fitness - Wellness - Selfness“. In diesem Typ werden einige Tendenzen gebündelt, die im Sinne des zielgruppenorientierten Marketings als “nachhaltig” bezeichnet werden. Dabei wird jedoch “Nachhaltigkeit” als Trend kommerzialisiert und als Lebensgefühl vermarktet. Auf der Grundlage der festgestellten Veränderungen in den Verbrauchermentalitäten lassen sich mit neuen Marketing-Strategien mittelfristig bis langfristig lukrative Märkte erschließen. Im Marketing geht es nicht um die Förderung von Nachhaltigkeit, sondern um die Aufnahme der Nachhaltigkeitsidee aus Gründen der Vermarktung, um im Trend zu liegen. Und den meisten Verbrauchern geht es ebenso wenig primär um Nachhaltigkeit, sondern um ein Konsumniveau mit hohem Genuss, Spaß und Unterhaltung unter Aufrechterhaltung der Gesundheit.
Offenbar passt dieser Konsumententyp gut zu den Vermarktungsinteressen der Bio-food- und Tourismusbranche. Der Trend zu Reiseangeboten, die im Sinne von Out-door-Aktivitäten Natur konsumieren, aber auch der Trend zur industriellen Produktion von Biofood macht diesen Konsumententyp populär. Insofern ist zweifelhaft, ob es sich bei diesem Trend tatsächlich um nachhaltig konsumierende Menschen handelt.
Die im Marketing neu entdeckten Lebensstile „LOHAS“ sind nicht schon deshalb alternativ, weil die Anhänger dieses Lebensstils im Bio-Supermarkt Lebensmittel kaufen, die durch eine ansprechende Verpackung auffallen und Gesundheit und Nachhaltigkeit versprechen. Gesundheit und Nachhaltigkeit sind als Forderung in den postmodernen Lebensstil eingegangen und verlieren dabei ihre kritische Spitze. So zeigt sich der postmoderne Lebensstil als blind für alle inhaltlichen Zukunftsfragen und ohne humanistisches Gewissen. Die postmoderne Persönlichkeit kann eben alles sein, auch „ökologisch orientiert“. Dabei erscheint die ökologische Orientierung im Wissen ausgeprägter als im Handeln. Über 90 % der Menschen sind in Bezug auf die Umwelt besorgt, aber nur weniger als 5 % kaufen Lebensmittel aus biologischem Anbau.
Bei den LOHAS - und ich schließe hier die Kulturell Kreativen ein - ist zwar eine gewisse Zunahme nachhaltiger Orientierungen zu finden, doch sind diese Orientierungen noch nicht aus der Ambiguität in ein entschiedenes Handeln herausgetreten. Die LOHAS befinden sich bildlich gesprochen noch vor der Weggabelung. Allenfalls handelt es sich bei den angesprochenen Einstellungen und Verhaltensweisen um die von Bahro so genannte „systemimmanente Schadensbegrenzung“ (Bahro), der es lediglich um eine Stabilisierung der gegenwärtigen Ökonomie geht. Wie die neuere Entwicklung des Biomarktes in Deutschland und die LOHAS beispielhaft zeigen, wird diese Schadensbegrenzung innerhalb der vorherrschenden Ökonomie betrieben.
Im Sinne eines sogenannten Megatrends werden die teilweisen kleinen und überschaubaren Strukturen der ökologischen Landwirtschaft zunehmend großindustriell vereinnahmt und ausgeweitet. Das ist alles andere als ein Prozess, der mit Nachhaltigkeit zu tun hat. Ökologie wird hier eindeutig der Ökonomie untergeordnet: die Strukturen der vorherrschenden Ökonomie verbinden sich mit großindustrieller Produktion von Bio-Lebensmitteln - teilweise mit Verlagerung der Produktion ins Ausland.
So bleiben auch die LOHAS - scheinbar an Gesundheit und Nachhaltigkeit orientiert - Teil der ökologischen Krise, statt in kritischer Selbstreflexion den eigenen Anteil am Zerstörungsprozess zu erkennen. Der den LOHAS entsprechende Lebensstiltyp will auf einer unbewussten Ebene - so könnte man mit Bahro sagen - die Zerstörung, solange er nicht “seine eigenen Interessen, Gewohnheiten, Bequemlichkeit hintansetzt“. (17)
Der Gegenspieler der LOHAS ist der LOVOS, der dem oben beschriebenen “Lifestyle of Voluntary Simplicity” entspricht. Er ist nicht postmodern, sondern konsequent postmaterialistisch orientiert und steht dem Konsumismus ablehnend gegenüber. Unter Gesichtspunkten des zielgruppenorientierten Marketing ist der LOVOS eine eher randständige Erscheinung, die vernachlässigt wird; für den Wandel der Gesellschaft beinhaltet er aber ein zukunftsfähiges Potential und ist als Entwicklungspfad zum Homo integralis zu werten.
Hinter der freiwilligen Einfachheit steht kein homogener Lebensstil. Der einfache Lebensstil beinhaltet ein breites Spektrum menschlichen Verhaltens und lässt sich als ein experimentelles Konzept für die Menschen verstehen, die sich zu einem bewussteren Lebensstil hingezogen fühlen und beginnen, ihr alltägliches Leben auf eine ökologisch tragfähige Weise zu organisieren. Bahro macht allerdings deutlich, dass halbherzige Lösungen des Sowohl-als-auch nicht zum Erfolg führen können. Vielmehr setzt ein “rettender gesellschaftlicher Wandel” eine tiefgreifende Verwandlung des Menschen sowie neue Beziehungsstrukturen und Institutionen voraus, die eine Abkehr von der Megamaschine beinhalten.(18) Wir dürfen unsere Frage nicht darauf beschränken, “was innerhalb der gewohnten Verfassung des Bewußtseins und der Institutionen das Beste und Machbarste wäre”, sondern müssen eine entschiedene und radikale ökologische Rettungspolitik betreiben.(19) Auch darf die strukturelle Ebene nicht vernachlässigt werden, auf der es um das geht, was Bahro als &quot;Harmonisierung der wirtschaftlichen Tätigkeit&quot; bezeichnet: “Verlagerung der Prioritäten von der Ausbeutung der Natur durch die Produktion auf deren Einordnung in den natürlichen Zyklus, von der erweiterten auf die einfache Reproduktion, von der Steigerung der Arbeitsproduktivität auf die Pflege der Arbeitsbedingungen und der Arbeitskultur”; des weiteren um die “Entwicklung einer natur- und menschengemäßen Technik und Technologie, die Wiederherstellung der Proportionalität zwischen großer (industrieller) und kleiner (handwerklicher) Produktion”.(20)
Die konsumistische Lebensweise bringt die Subjekte in eine prekäre Situation. Immer mehr Menschen sind von den normopathologischen Auswirkungen eines problematischen kompensatorischen Konsums bis hin zur Kaufsucht betroffen. Der für die heutigen Lebensstile typische Konsumismus gilt als eine Grundlage für allgemeine Suchtanfälligkeit wie für die Entstehung nichtstoffgebundener Süchte. Die betroffenen Menschen fragen zwar angesichts zunehmender Verschuldung und Konsumsucht soziale Hilfen nach, doch können diese Hilfen durchgreifend nicht von außen, von Pädagogen und Sozialarbeitern, erbracht werden, sondern bedürfen neuer Organisationsformen des Sozialen und einer im Gemeinwesen verankerten Verantwortlichkeit und Abstützung des Einzelnen.
Die mit dem Konsumismus verbundenen Erwartungen und Haltungen zu hinterfragen, ist ein wichtiger Ausgangspunkt für die Entwicklung reflexiver Sozialformen im Gemeinwesen. Eine integrative Theorie, die diese Momente erfasst, kann sich sozialcharakterologischer Grundlagen von Erich Fromm bedienen, aber auch in Aufnahme des Kommunegedanken Rudolf Bahros auf eine Stärkung der Kompetenzen des einzelnen im Zusammenhang mit einem nachhaltigen, verantwortlichen Lebensstil im sozialen Raum beziehen.

 

(1) Dieses (unredigierte) Manuskript entstammt den Vorarbeiten zu einem Vortrag aus Anlass des 70. Geburtstages von Rudolf Bahro im Rahmen eines Symposiums an der Humboldt-Universität zu Berlin und ist nicht mit der Vortragsfassung identisch. Der Vortrag wurde am 19. November 2005 zu dem Thema: „Vom Homo consumens zum Homo integralis“ gehalten.
(2) in: Rudolf Bahro, Logik der Rettung, Berlin 1990, S. 17.
(3) Rudolf Bahro, Selbstinterview, in: Rudolf Bahro, Eine Dokumentation, Köln/Frankfurt/M. 1977, S. 73. 
(4) Ernst F. Schumacher, Small is Beautiful, 3. Aufl., Bad Dürkheim 2001. - Das Problem geht im wesentlichen „auf unsere Unfähigkeit zurück zu erkennen, daß das moderne Industriesystem mit all seiner intellektuellen Verfeinerung die Basis aufbraucht, auf der es errichtet wurde“ (S. 17).
(5) Rudolf Bahro, Eine Dokumentation, Köln/Frankfurt/M. 1977, S. 40f.
(6) vgl. Rudolf Bahro, Die Alternative, Köln 1977, S. 321, 324.
(7) Rudolf Bahro, Logik der Rettung, Berlin 1990, S. 110, 111, 112.
(8) vgl. Rudolf Bahro, Die Alternative, Köln 1977, S. 321, 324, 340, 374f.
(9) Rudolf Bahro, Die Alternative, Köln 1977, S. 322.
(10) Rudolf Bahro, Die Alternative, Köln 1977, S. 322.
(11) Rudolf Bahro, Die Idee des Homo integralis, 1997, S. 26.
(12) Jean Gebser, Gesamtausgabe, Bd.V/II: Vorlesungen und Reden zu Ursprung und Gegenwart, Schaffhausen 1999, S. 62.
(13) Richard B. Gregg, The Value of Voluntary Simplicity (1936), Wallingford, Pennsylvania (Pendle Hill Publications), Republished electronically: 2004, p. 4: “Voluntary simplicity involves both inner and outer condition. It means single- ness of purpose, sincerity and honesty within, as well as avoidance of exterior clutter, of many possessions irrelevant to the chief purpose of life. It means an ordering and guiding of our energy and our desires, a partial restraint in some directions in order to secure greater abundance of life in other directions. It involves a deliberate organization of life for a purpose.” 
(14) Rudolf Bahro, Logik der Rettung, Berlin 1990, S. 320.
(15) Ray, Paul H.; Ruth, Anderson, 2000: The Cultural Creatives. How 50 Million People Are Changing the World, New York (Harmony Books); Ray, Paul H., 2001: Die Evolution der integralen Kultur, in: Integrale Perspektiven. Ansätze für eine HumanSozialÖkologische Theorie. Internationales Symposium aus Anlass des 25. Jahrestages des Erscheinens von Rudolf Bahros Buch &quot;Die Alternative&quot;, 21.-23. Juni 2002, Humboldt Universität zu Berlin (Rudolf-Bahro-Archiv) 2003, S. 19-24; Ray, Paul H., 2004: Authentisch, spirituell, kritisch: Vorreiter einer neuen Kultur? Ein Gespräch mit Paul H. Ray, in: Psychologie heute, Heft 3/2004, S. 32-37; ders., 2004a: Interview with Paul Ray, by Tim Miejan, in: Edge Life, Nov. 2004 (Internet: http://www.edgenews.com/issues/2004/11/ray.html); ders., 2004b: Society must be sustainable, with focus on planetary needs. Last of a two-part interview with Paul H. Ray, by Tim Miejan, in: Edge Life, Dec. 2004 (Internet: http://www.edgenews.com/issues/2004/12/ray.html).
(16) Siehe die von mir verfassten Rezensionen zu den Büchern von Peter Winterhoff-Spurk und Rainer Funk (Internet: http://www.socialnet.de/rezensionen/2382.php; http://www.socialnet.de/rezensionen/2295.php). 
(17) Rudolf Bahro, Logik der Rettung, Berlin 1990, S. 405. 
(18) vgl. Logik der Rettung, Berlin 1990, S. 209, 212.
(19) vgl. ebd. S. 315.
(20) Rudolf Bahro, Eine Dokumentation, Köln/Frankfurt/M. 1977, S. 45.

Copyright © 2005 by Burkhard Bierhoff

   

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		<content:encoded><![CDATA[<p>Burkhard Bierhoff: Vom Konsumismus zur „Freiwilligen Einfachheit“ (1)<br />
Quelle: <a href="http://umweltdebatte.de/bierhoff.htm" rel="nofollow">http://umweltdebatte.de/bierhoff.htm</a> (31.01.2011)</p>
<p>&#8220;Laßt uns darüber nachdenken, wie wir uns unabhängig von der Großen Maschine nähren, wärmen, kleiden, bilden und gesund erhalten können. Beginnen wir daran zu arbeiten, ehe sie uns vollends durchgesteuert, einbetoniert, vergiftet, erstickt und eher früher als später atomar totalvernichtet hat.” (Rudolf Bahro) (2)</p>
<p>In meinem Beitrag möchte ich zur Kritik der heute weitverbreiteten konsumistischen Lebensweise beitragen und dabei wesentliche Gedanken von Rudolf Bahro aufnehmen. Diese Lebensweise kann aufgrund ihres ungeheuren Ressourcenverbrauchs und der in ihrem Gefolge zu verzeichnenden globalen Zerstörung nur temporär sein. In Erkenntnis dieser Problematik gehen die Bemühungen einer wachsenden Anzahl von Menschen dahin, den Verbrauch auf ein „vernünftiges“ Maß zurückzuschrauben. Das für die Zukunft der Menschheit entscheidende Problem, das in den reichen westlichen Gesellschaften gelöst werden muss, liegt darin, eine neue verallgemeinerungsfähige Lebensweise zu entwickeln, die sich rigoros von dem destruktiven Konsumismus verabschiedet und die Bevölkerung mehrheitlich in ihren Bann zu ziehen vermag. Diese Lebensweise wird nur auf der Grundlage einer motivierenden Einsicht der Vielen in die globalen Zusammenhänge möglich werden.<br />
Bereits in Die Alternative (1977) ging es Bahro „um den Entwurf eines Programms, für das man Menschen mobilisieren kann, die nicht mehr weitermachen wollen wie bisher.“(3) Sein Wirken war immer mit einem aufklärerischen Interesse verbunden. In seinen späteren Schriften hat er seine Position radikalisiert und angesichts der ökologischen Zerstörung eine gegen die Megamaschine gerichtete Logik der Rettung (1990) entworfen.<br />
Eine lebensdienliche Wissenschaft kann durch die Initiierung von Aufklärungsprozessen (im Sinne der von Alexander Mitscherlich so bezeichneten Sachbildung, Affektbildung und Sozialbildung) das rettende Programm eines einfachen Lebensstils unterstützen. Die hier anzusprechenden Fragen sind: Was kommt nach dem Konsumismus? Wird der Homo consumens vom Homo integralis abgelöst werden? &#8211; Doch zunächst soll die prekäre Ausgangslage skizziert werden.<br />
Mit Erich Fromm stimmt Rudolf Bahro unter anderem darin überein, dass die Menschen in den konsumistischen Gesellschaften eine fremdbestimmte Bedürfnisstruktur ausgebildet haben und die weitere Entwicklung im Sinne tödlichen Fortschritts nur noch durch eine radikale Veränderung abzuwenden ist, dass es trotz aller krisenhaften Zuspitzungen Kräfte der Umkehr gibt und Entwicklungen, die hoffnungsvoll stimmen.<br />
Ausgangspunkt der Zivilisationskritik von Bahro ist die immer mehr zur Gewissheit gewordene Vermutung, dass eine Gesellschaft, die ihre Kräfte tauschwertorientiert vorrangig in die Erzeugung von Reichtümern (Waren, Güter) investiert, kulturell ihre Zukunftsfähigkeit verspielt. Bahro thematisiert &#8211; darin Erich F. Schumacher vergleichbar (4) &#8211; die Ausbeutung der natürlichen Ressourcen als ungelöstes Problem der industriellen Güterproduktion. Die Produktion von Waren führt zu einem ungeheuren Anstieg der Naturausbeutung, da im industriellen Entwicklungsmodell Güter produziert werden, ohne die Endlichkeit und den Verbrauch der Ressourcen in die Gesamtrechnung einzubeziehen. Es ist auf einen verschwenderischen Verbrauch ausgerichtet, da dieser das Gegenstück zur Massenproduktion ist. Dieses industrielle Entwicklungsmodell kann sich &#8211; wenn auch nur temporär &#8211; aufrechterhalten, indem es den Menschen das Konsumieren als unbedingt zu befolgende Notwendigkeit oktroyiert. Entsprechend müssen die Menschen auf die scheinbare Notwendigkeit eines ungebremsten Konsums eingestellt werden, was einem gesellschaftlich legitimierten Betrug am Menschen gleichkommt. Seine Bedürfnisse werden angestachelt, seine Gier und Unersättlichkeit genährt und gesteigert mithilfe der neuen Strategien des Erlebnismarketing in der Werbung.<br />
Bahro gebrauchte zwar nicht den Begriff des Konsumismus, analysierte aber entsprechend den “Teufelskreis der kapitalistischen Wachstumsdynamik“:<br />
&#8221; Je mehr produziert wird, desto mehr muß erjagt, besessen und verbraucht werden, desto mehr psychische Energie wird in abstrakter Arbeit und kompensatorischen Genüssen gebunden und bleibt den emanzipatorischen Kräften entzogen. &#8230; Das kompensatorische Haben-, Verbrauchen-, Konsumierenwollen und -müssen erzwingt die Fortsetzung einer Erzeugungsschlacht &#8230;”, deren Grundlage die „massenhaften kompensatorischen Bedürfnisse“ sind.(5)<br />
Diese Bedürfnisse sind repressiv in die konsumistische Struktur eingebunden, die als totalitärer Komplex die in die Megamaschine eingebundene Herrschaft sichert, indem sie die Individuen im scheinbar freiwilligen Massenkonsum zur Loyalität bewegt. In der Überwindung dieser Subalternität durch die Umgestaltung der gesamten modernen Produktionsweise sieht Bahro die einzig mögliche Alternative zu der grenzenlosen Expansion der materiellen Bedürfnisse.(6)<br />
Unter Exterminismus versteht Bahro ein Zivilisationsstadium jenseits der ökologischen Stabilität, das die Tendenz zeigt, im Ungleichgewicht von Produktiv- und Destruktivkräften weltweit zunehmend destruktive Wirkungen bis hin zur “Selbstzerstörung” zu entfalten (vgl. Edward Thompson). Dieser Prozess verläuft unterhalb des wachen Bewusstseins, denn: “Wir nehmen die verschiedensten exterministischen Einzeleffekte billigend in Kauf &#8230;” und halten “an einer gewohnten Praxis fest, die sich als selbstmörderisch herausstellt, ohne so gemeint zu sein.”(7)<br />
Die Befreiung von unmittelbarer wirtschaftlicher Not und existentieller Unsicherheit hat nicht zu einer Verfeinerung der Bedürfnisse geführt, sondern zunehmend kompensatorische Bedürfnisse evoziert. Ihr massenhaftes Auftreten ist Indikator für die heutige Unfreiheit. Die meisten Menschen verhalten sich subaltern, indem sie sich “der entfremdenden Autorität unterwerfen und nach den von ihr ausgesetzten Wohlverhaltensprämien greifen” und in grenzenloser Gier ihre materiellen Bedürfnisse ausdehnen.(8) Das gilt nicht nur für personale Unterwerfungsverhältnisse, sondern auch für die „anonymen Autoritäten“ wie Moden und die öffentliche Meinung (vgl. Erich Fromm), die die Menschen ohne ausdrücklichen Befehl zum Gehorsam zwingen.<br />
Die kompensatorischen Interessen und Bedürfnisse zeigen sich in dem Streben vieler Menschen nach bequemen Ersatzbefriedigungen. Bahro: “Die kompensatorischen Interessen &#8230; sind die unvermeidliche Reaktion darauf, daß die Gesellschaft die Entfaltung, Entwicklung und Bestätigung zahlloser Menschen frühzeitig beschränkt und blockiert. Die entsprechenden Bedürfnisse werden mit Ersatzbefriedigungen abgespeist. Man muß sich im Besitz und Verbrauch von möglichst vielen, möglichst (tausch-)wertvollen Dingen und Diensten dafür schadlos halten, daß man in den eigentlich menschlichen Bedürfnissen zu kurz gekommen ist.”(9)<br />
Von den kompensatorischen Interessen sind die emanzipatorischen Interessen streng geschieden: “Die emanzipatorischen Interessen &#8230; richten sich auf das Wachstum, die Differenzierung und die Selbstverwirklichung der Persönlichkeit in allen Dimensionen menschlicher Aktivität. Sie verlangen vor allem die potentiell allumfassende Aneignung der in anderen Individuen, in Gegenständen, Verhaltensweisen, Beziehungen objektivierten menschlichen Wesenskräfte, ihre Verwandlung in Subjektivität, in einen Besitz nicht der juristischen Person, sondern der geistigen und sittlichen Individualität, der seinerseits nach produktiver Umsetzung drängt.”(10)<br />
Je mehr die Menschen ihre emanzipatorischen Interessen entdecken und kultivieren, um so mehr nähern sie sich dem an, was Bahro als den integralen Menschen bezeichnet hat. Bahro bezieht sich “auf die von Jean Gebser in seinem Werk ‘Ursprung und Gegenwart’ entworfene Idee des Homo integralis”. “Es ist in neuem Gewand die alte Idee des vollständigen, alle in ihm angelegten Vermögen realisierenden Menschen.”(11) Damit Menschen sich in diesem Sinne entwickeln und entfalten können, bedürfen sie nicht nur einer Vision, sondern auch einer Ordnungsstruktur, die den Ausdruck der höheren Bewusstseinskräfte fördert.<br />
Viele Gesellschaftskritiker beschreiben die zeitgenössische Lebensweise als pathogen, was in einem Syndrom verschiedener Haltungen und Verhaltensweisen zum Ausdruck kommt: geringes Selbstwertgefühl, kompensatorische Aktivitäten, Konsumismus, Passivität, Geschäftigkeit, chronische Depression, Langeweile, Habgier, Unüberlegtheit, Rücksichtslosigkeit, Mangel an Bewusstsein, Hingabe an Idole und Gleichgültigkeit. Auf dieser psychosozialen Grundlage gedeiht die Warenproduktion mit der kompensatorischen Konsumtion. Auf der Ebene des Subjekts strukturiert der Konsumismus durch Kult- und Erlebnismarketing die Erlebniswelten der Menschen bis hin zum Einkaufen als Zeitvertreib. Demgegenüber ist bei Jean Gebser &#8211; von Rudolf Bahro aufgegriffen &#8211; die Idee der Transformation dieser Bewusstseinsverfassung, die als mental-rational bezeichnet wird, hin zum integralen Bewusstsein zu finden: „anstelle der Hektik tritt die Stille und das Schweigenkönnen; anstelle des ausschließlichen Zweck und Zieldenkens tritt die Absichtslosigkeit; anstelle der Machtstrebens tritt Hingabe und echte Liebesfähigkeit; anstelle des quantitativen Leerlaufs tritt das qualitativ geistige Geschehen; anstelle der Manipulation tritt das geduldige Gewährenlassen der fügenden Kräfte“; usw. (12)<br />
Die weltweit vorhandenen Ressourcen erlauben keine Fortsetzung oder Expansion der industriellen Massenfertigung mit ihrem konsumistischen Lebensstil. Die einzige Alternative, die eine ökologische Katastrophe verhindern könnte, liegt in der Wahl einer neuen Lebensweise, die von einer nachhaltigen Produktions- und Verbraucherorientierung bestimmt ist. Grundlage für diese Kehrtwende ist der Umbau des Industriesystems. Dieser Umbau erscheint nur möglich mit Menschen, die sich an den historisch neuen globalen Problemlagen orientieren und ihre Bedürfnisse und Wünsche, Einsichten, Entscheidungen und sozialen Bezogenheiten mit ihrer Lebensweise verändern. Ein entsprechendes Leitkonzept ist mit der “freiwilligen Einfachheit” (“Voluntary Simplicity”) gegeben. Von Richard Gregg 1936 formuliert, beschreibt es eine Alternative zum Leben in der modernen Gesellschaft mit ihrer Massenproduktion und -konsumtion.(13) Greggs Grundgedanke war, auf der Grundlage buddhistischer Werthaltungen einen kulturspezifischen Beitrag zu einem einfachen Leben zu leisten, das weder von einem asketischen Lebensstil geprägt ist noch auf heteronomer Triebkontrolle und Unterdrückung gründet. Seit den 70er Jahren wurde die Idee der “Freiwilligen Einfachheit” weiterentwickelt. Da mit dem Zurückschrauben des Überkonsums eine höhere Lebenszufriedenheit erfahren wird, hat sich in den vergangenen Jahrzehnten der Kreis dieser Menschen vergrößert.<br />
Auch Bahro plädiert entschieden für einen einfachen Lebensstil: “Nur bei einem auf Subsistenzwirtschaft gegründeten Lebensstil freiwilliger Einfachheit und sparsamer Schönheit können wir uns, wenn wir außerdem unsere Zahl begrenzen, auf der Erde halten.”(14)<br />
Der auf dem Ideal der &#8220;Freiwilligen Einfachheit&#8221; basierende Lebensstil bemüht sich um ein niedrigeres Konsumniveau und bevorzugt Werte wie Unabhängigkeit, Selbstständigkeit und ökologische Verantwortung. Diese “kontraktive Lebensweise” (Bahro) bedeutet die Abkehr von der Orientierung am Haben. Der Bedarf an Geld und Waren wird reduziert; gleichzeitig reduzieren sich auch Hektik und Lebensangst. Zentral sind die Änderungen des Verbraucherverhaltens. Statusorientierter Geltungskonsum und Einkaufen als Zeitvertreib werden abgelehnt. Die Konsumhaltung richtet sich auf konkreten Gebrauchswert (anstelle abstrakten Tauschwertes).<br />
Der einfache Lebensstil beinhaltet auch eine gesunde, umweltbewusste, regional ausgerichtete, vielseitige, vegetabile Ernährung mit weitgehendem Verzicht auf Fleisch und Wurstwaren. Präferiert werden Produkte vom lebenden Tier, das artgerecht und umweltbewusst gehalten wird. Die vegetarische oder vegane Ernährung bietet unter anderem den Vorteil, dass die Erzeugung pflanzlicher im Vergleich zu tierischer Nahrung weniger Energie und kleinere Anbauflächen erfordert (so könnte z.B. vermieden werden, das für die Tierhaltung erforderliche Weideland durch die Abholzung von Primärwäldern zu gewinnen). Hinzu kommt ein sparsamer Gebrauch von Gebrauchsgütern und technischen Geräten wie Computer und Handy mit verlängerter Nutzungsdauer. Zum diesbezüglichen Problembewusstsein gehört etwa auch die Einschätzung des Zeitaufwands, der bei der Nutzung von technischen Geräten erforderlich ist. So ist beispielsweise bei der Nutzung von Digitalkameras eine verbreitete Erfahrung ein Vielfaches an aufzuwendender Zeit, wenn digitale Bilder ausgewählt und evt. nachgearbeitet werden. Während beim Kleinbildfilm die Filmabgabe und Bilderabholung mit einem minimalen Zeitaufwand verbunden war, erhöht sich die aus technischen Gründen notwendige Zeitnutzung bei der Digitalkamera um ein Vielfaches. So zeigt dieses Beispiel, dass wir mit unseren Kaufentscheidungen immer wieder in das bestehende ökonomische, technologische und bürokratische System eingebunden werden.<br />
Des weiteren wird versucht, Elektroschrott etwa durch Verlängerung der Nutzungsperioden (z.B. für Computer) einzuschränken. Spielwaren mit elektronischen Bauteilen werden abgelehnt, da sie den Müll mit Batterien und chemischen Verbindungen belasten, ganz abgesehen von dem Schaden, den dieses Spielzeug für die Phantasie und Kreativität in der kindlichen Entwicklung bedeuten kann.<br />
Hinzu kommt, dass Werbung als ein Manipulationsinstrument zurückgewiesen wird, da sie künstlich neue Bedürfnisse zu erzeugen sucht. Die Rolle der Massenmedien wird kritisch hinterfragt, besonders jene des Fernsehens. Als ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zu einem einfachen Lebensstil wird erachtet, ohne die Banalität von stundenlangem Fernsehkonsum auszukommen. -<br />
Die Frage, die sich nach diesen (nicht zuletzt auch präskriptiven) Skizzierungen des einfachen Lebensstils ergibt, ist, ob in den gegenwärtig verbreiteten Lebensstilen Veränderungen aufzufinden sind, die deutlich und zunehmend in Richtung ökologischen Problembewusstseins und einer neuen Bescheidenheit verweisen. Soweit ich sehe, gibt es hier im wesentlichen drei Ansätze, die diese Entwicklungen aufnehmen. Am bekanntesten sind die Untersuchungen des Marktforschers und Soziologen Paul H. Ray, der zusammen mit Sherry Ruth Anderson neben den Traditionalisten und den Modernisten ein weiteres Lebensstilsegment empirisch bestätigt hat, dessen Angehörige er als Kulturell Kreative bezeichnet. (15) Auch das Akronym „LOHAS“, das für „Lifestyles of Health and Sustainability“ steht, geht auf diese Forschungen zurück. Des weiteren ist als Bezeichnung auch der „Lifestyle of Voluntary Simplicity“ (teils auch im Plural: „Lifestyles“) zu finden; da es sich hier aber nur um ein sehr kleines Marktsegment handelt, wird dieser Lebensstil weniger intensiv thematisiert. &#8211; In Deutschland gibt es neuerlich zwei Veröffentlichungen, die Veränderungen im Sozialcharakter thematisieren, aber auch als Beschreibungen von neuen Lebensstilen rezipiert werden können. In einer Arbeit zur Modulierung des Sozialcharakters durch das Fernsehen stellt Peter Winterhoff-Spurk (2005) eine „Vereisung des Sozialcharakters“ fest, den er im histrionischen Charakter beschreibt. Rainer Funk hingegen untersucht die Psychodynamik der postmodernen Ich-Orientierung, die er in einer passiven und einer aktiven Variante des Sozialcharakters beschreibt.(16) Beide Bücher unterscheiden sich vom Erkenntnisinteresse deutlich von der Marktforschung, der es ja primär um die Erschließung neuer Absatzmärkte geht und nicht um die Untersuchung von neuen gesellschaftlichen Teilkulturen, aus denen Konsumkritik und gegenkonsumistische Lebensstile erwachsen.<br />
Als Typ eines neuen Konsumenten wurde zuerst in den USA, inzwischen auch in Deutschland, in empirischen Untersuchungen der LOHAS-Typ entdeckt. In den USA soll er bereits ca. 30 % der Verbraucher umfassen. Die LOHAS fungieren als ein Sammelbegriff für neue Lebensstile, die auf Gesundheit und Nachhaltigkeit bezogen sind. Zu hinterfragen ist jedoch der einseitige und verzerrende Gebrauch der Leitbegriffe “Gesundheit” und “Nachhaltigkeit”.<br />
Dieser postmoderne Typ des Konsumenten zeigt sich ich-orientiert, unabhängig, umweltbewusst, gesundheitsorientiert und präferiert Bio-Lebensmittel. Beschreibbar ist er mit der Trias von „Fitness &#8211; Wellness &#8211; Selfness“. In diesem Typ werden einige Tendenzen gebündelt, die im Sinne des zielgruppenorientierten Marketings als “nachhaltig” bezeichnet werden. Dabei wird jedoch “Nachhaltigkeit” als Trend kommerzialisiert und als Lebensgefühl vermarktet. Auf der Grundlage der festgestellten Veränderungen in den Verbrauchermentalitäten lassen sich mit neuen Marketing-Strategien mittelfristig bis langfristig lukrative Märkte erschließen. Im Marketing geht es nicht um die Förderung von Nachhaltigkeit, sondern um die Aufnahme der Nachhaltigkeitsidee aus Gründen der Vermarktung, um im Trend zu liegen. Und den meisten Verbrauchern geht es ebenso wenig primär um Nachhaltigkeit, sondern um ein Konsumniveau mit hohem Genuss, Spaß und Unterhaltung unter Aufrechterhaltung der Gesundheit.<br />
Offenbar passt dieser Konsumententyp gut zu den Vermarktungsinteressen der Bio-food- und Tourismusbranche. Der Trend zu Reiseangeboten, die im Sinne von Out-door-Aktivitäten Natur konsumieren, aber auch der Trend zur industriellen Produktion von Biofood macht diesen Konsumententyp populär. Insofern ist zweifelhaft, ob es sich bei diesem Trend tatsächlich um nachhaltig konsumierende Menschen handelt.<br />
Die im Marketing neu entdeckten Lebensstile „LOHAS“ sind nicht schon deshalb alternativ, weil die Anhänger dieses Lebensstils im Bio-Supermarkt Lebensmittel kaufen, die durch eine ansprechende Verpackung auffallen und Gesundheit und Nachhaltigkeit versprechen. Gesundheit und Nachhaltigkeit sind als Forderung in den postmodernen Lebensstil eingegangen und verlieren dabei ihre kritische Spitze. So zeigt sich der postmoderne Lebensstil als blind für alle inhaltlichen Zukunftsfragen und ohne humanistisches Gewissen. Die postmoderne Persönlichkeit kann eben alles sein, auch „ökologisch orientiert“. Dabei erscheint die ökologische Orientierung im Wissen ausgeprägter als im Handeln. Über 90 % der Menschen sind in Bezug auf die Umwelt besorgt, aber nur weniger als 5 % kaufen Lebensmittel aus biologischem Anbau.<br />
Bei den LOHAS &#8211; und ich schließe hier die Kulturell Kreativen ein &#8211; ist zwar eine gewisse Zunahme nachhaltiger Orientierungen zu finden, doch sind diese Orientierungen noch nicht aus der Ambiguität in ein entschiedenes Handeln herausgetreten. Die LOHAS befinden sich bildlich gesprochen noch vor der Weggabelung. Allenfalls handelt es sich bei den angesprochenen Einstellungen und Verhaltensweisen um die von Bahro so genannte „systemimmanente Schadensbegrenzung“ (Bahro), der es lediglich um eine Stabilisierung der gegenwärtigen Ökonomie geht. Wie die neuere Entwicklung des Biomarktes in Deutschland und die LOHAS beispielhaft zeigen, wird diese Schadensbegrenzung innerhalb der vorherrschenden Ökonomie betrieben.<br />
Im Sinne eines sogenannten Megatrends werden die teilweisen kleinen und überschaubaren Strukturen der ökologischen Landwirtschaft zunehmend großindustriell vereinnahmt und ausgeweitet. Das ist alles andere als ein Prozess, der mit Nachhaltigkeit zu tun hat. Ökologie wird hier eindeutig der Ökonomie untergeordnet: die Strukturen der vorherrschenden Ökonomie verbinden sich mit großindustrieller Produktion von Bio-Lebensmitteln &#8211; teilweise mit Verlagerung der Produktion ins Ausland.<br />
So bleiben auch die LOHAS &#8211; scheinbar an Gesundheit und Nachhaltigkeit orientiert &#8211; Teil der ökologischen Krise, statt in kritischer Selbstreflexion den eigenen Anteil am Zerstörungsprozess zu erkennen. Der den LOHAS entsprechende Lebensstiltyp will auf einer unbewussten Ebene &#8211; so könnte man mit Bahro sagen &#8211; die Zerstörung, solange er nicht “seine eigenen Interessen, Gewohnheiten, Bequemlichkeit hintansetzt“. (17)<br />
Der Gegenspieler der LOHAS ist der LOVOS, der dem oben beschriebenen “Lifestyle of Voluntary Simplicity” entspricht. Er ist nicht postmodern, sondern konsequent postmaterialistisch orientiert und steht dem Konsumismus ablehnend gegenüber. Unter Gesichtspunkten des zielgruppenorientierten Marketing ist der LOVOS eine eher randständige Erscheinung, die vernachlässigt wird; für den Wandel der Gesellschaft beinhaltet er aber ein zukunftsfähiges Potential und ist als Entwicklungspfad zum Homo integralis zu werten.<br />
Hinter der freiwilligen Einfachheit steht kein homogener Lebensstil. Der einfache Lebensstil beinhaltet ein breites Spektrum menschlichen Verhaltens und lässt sich als ein experimentelles Konzept für die Menschen verstehen, die sich zu einem bewussteren Lebensstil hingezogen fühlen und beginnen, ihr alltägliches Leben auf eine ökologisch tragfähige Weise zu organisieren. Bahro macht allerdings deutlich, dass halbherzige Lösungen des Sowohl-als-auch nicht zum Erfolg führen können. Vielmehr setzt ein “rettender gesellschaftlicher Wandel” eine tiefgreifende Verwandlung des Menschen sowie neue Beziehungsstrukturen und Institutionen voraus, die eine Abkehr von der Megamaschine beinhalten.(18) Wir dürfen unsere Frage nicht darauf beschränken, “was innerhalb der gewohnten Verfassung des Bewußtseins und der Institutionen das Beste und Machbarste wäre”, sondern müssen eine entschiedene und radikale ökologische Rettungspolitik betreiben.(19) Auch darf die strukturelle Ebene nicht vernachlässigt werden, auf der es um das geht, was Bahro als &#8220;Harmonisierung der wirtschaftlichen Tätigkeit&#8221; bezeichnet: “Verlagerung der Prioritäten von der Ausbeutung der Natur durch die Produktion auf deren Einordnung in den natürlichen Zyklus, von der erweiterten auf die einfache Reproduktion, von der Steigerung der Arbeitsproduktivität auf die Pflege der Arbeitsbedingungen und der Arbeitskultur”; des weiteren um die “Entwicklung einer natur- und menschengemäßen Technik und Technologie, die Wiederherstellung der Proportionalität zwischen großer (industrieller) und kleiner (handwerklicher) Produktion”.(20)<br />
Die konsumistische Lebensweise bringt die Subjekte in eine prekäre Situation. Immer mehr Menschen sind von den normopathologischen Auswirkungen eines problematischen kompensatorischen Konsums bis hin zur Kaufsucht betroffen. Der für die heutigen Lebensstile typische Konsumismus gilt als eine Grundlage für allgemeine Suchtanfälligkeit wie für die Entstehung nichtstoffgebundener Süchte. Die betroffenen Menschen fragen zwar angesichts zunehmender Verschuldung und Konsumsucht soziale Hilfen nach, doch können diese Hilfen durchgreifend nicht von außen, von Pädagogen und Sozialarbeitern, erbracht werden, sondern bedürfen neuer Organisationsformen des Sozialen und einer im Gemeinwesen verankerten Verantwortlichkeit und Abstützung des Einzelnen.<br />
Die mit dem Konsumismus verbundenen Erwartungen und Haltungen zu hinterfragen, ist ein wichtiger Ausgangspunkt für die Entwicklung reflexiver Sozialformen im Gemeinwesen. Eine integrative Theorie, die diese Momente erfasst, kann sich sozialcharakterologischer Grundlagen von Erich Fromm bedienen, aber auch in Aufnahme des Kommunegedanken Rudolf Bahros auf eine Stärkung der Kompetenzen des einzelnen im Zusammenhang mit einem nachhaltigen, verantwortlichen Lebensstil im sozialen Raum beziehen.</p>
<p>(1) Dieses (unredigierte) Manuskript entstammt den Vorarbeiten zu einem Vortrag aus Anlass des 70. Geburtstages von Rudolf Bahro im Rahmen eines Symposiums an der Humboldt-Universität zu Berlin und ist nicht mit der Vortragsfassung identisch. Der Vortrag wurde am 19. November 2005 zu dem Thema: „Vom Homo consumens zum Homo integralis“ gehalten.<br />
(2) in: Rudolf Bahro, Logik der Rettung, Berlin 1990, S. 17.<br />
(3) Rudolf Bahro, Selbstinterview, in: Rudolf Bahro, Eine Dokumentation, Köln/Frankfurt/M. 1977, S. 73.<br />
(4) Ernst F. Schumacher, Small is Beautiful, 3. Aufl., Bad Dürkheim 2001. &#8211; Das Problem geht im wesentlichen „auf unsere Unfähigkeit zurück zu erkennen, daß das moderne Industriesystem mit all seiner intellektuellen Verfeinerung die Basis aufbraucht, auf der es errichtet wurde“ (S. 17).<br />
(5) Rudolf Bahro, Eine Dokumentation, Köln/Frankfurt/M. 1977, S. 40f.<br />
(6) vgl. Rudolf Bahro, Die Alternative, Köln 1977, S. 321, 324.<br />
(7) Rudolf Bahro, Logik der Rettung, Berlin 1990, S. 110, 111, 112.<br />
(8) vgl. Rudolf Bahro, Die Alternative, Köln 1977, S. 321, 324, 340, 374f.<br />
(9) Rudolf Bahro, Die Alternative, Köln 1977, S. 322.<br />
(10) Rudolf Bahro, Die Alternative, Köln 1977, S. 322.<br />
(11) Rudolf Bahro, Die Idee des Homo integralis, 1997, S. 26.<br />
(12) Jean Gebser, Gesamtausgabe, Bd.V/II: Vorlesungen und Reden zu Ursprung und Gegenwart, Schaffhausen 1999, S. 62.<br />
(13) Richard B. Gregg, The Value of Voluntary Simplicity (1936), Wallingford, Pennsylvania (Pendle Hill Publications), Republished electronically: 2004, p. 4: “Voluntary simplicity involves both inner and outer condition. It means single- ness of purpose, sincerity and honesty within, as well as avoidance of exterior clutter, of many possessions irrelevant to the chief purpose of life. It means an ordering and guiding of our energy and our desires, a partial restraint in some directions in order to secure greater abundance of life in other directions. It involves a deliberate organization of life for a purpose.”<br />
(14) Rudolf Bahro, Logik der Rettung, Berlin 1990, S. 320.<br />
(15) Ray, Paul H.; Ruth, Anderson, 2000: The Cultural Creatives. How 50 Million People Are Changing the World, New York (Harmony Books); Ray, Paul H., 2001: Die Evolution der integralen Kultur, in: Integrale Perspektiven. Ansätze für eine HumanSozialÖkologische Theorie. Internationales Symposium aus Anlass des 25. Jahrestages des Erscheinens von Rudolf Bahros Buch &#8220;Die Alternative&#8221;, 21.-23. Juni 2002, Humboldt Universität zu Berlin (Rudolf-Bahro-Archiv) 2003, S. 19-24; Ray, Paul H., 2004: Authentisch, spirituell, kritisch: Vorreiter einer neuen Kultur? Ein Gespräch mit Paul H. Ray, in: Psychologie heute, Heft 3/2004, S. 32-37; ders., 2004a: Interview with Paul Ray, by Tim Miejan, in: Edge Life, Nov. 2004 (Internet: <a href="http://www.edgenews.com/issues/2004/11/ray.html" rel="nofollow">http://www.edgenews.com/issues/2004/11/ray.html</a>); ders., 2004b: Society must be sustainable, with focus on planetary needs. Last of a two-part interview with Paul H. Ray, by Tim Miejan, in: Edge Life, Dec. 2004 (Internet: <a href="http://www.edgenews.com/issues/2004/12/ray.html" rel="nofollow">http://www.edgenews.com/issues/2004/12/ray.html</a>).<br />
(16) Siehe die von mir verfassten Rezensionen zu den Büchern von Peter Winterhoff-Spurk und Rainer Funk (Internet: <a href="http://www.socialnet.de/rezensionen/2382.php" rel="nofollow">http://www.socialnet.de/rezensionen/2382.php</a>; <a href="http://www.socialnet.de/rezensionen/2295.php" rel="nofollow">http://www.socialnet.de/rezensionen/2295.php</a>).<br />
(17) Rudolf Bahro, Logik der Rettung, Berlin 1990, S. 405.<br />
(18) vgl. Logik der Rettung, Berlin 1990, S. 209, 212.<br />
(19) vgl. ebd. S. 315.<br />
(20) Rudolf Bahro, Eine Dokumentation, Köln/Frankfurt/M. 1977, S. 45.</p>
<p>Copyright © 2005 by Burkhard Bierhoff</p>
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]]></content:encoded>
	</item>
	<item>
		<title>Von: einfachesleben</title>
		<link>http://de.lovos.org/#comment-31</link>
		<dc:creator><![CDATA[einfachesleben]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 19 Jan 2011 08:44:26 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://einfachesleben.wordpress.com/?page_id=142#comment-31</guid>
		<description><![CDATA[Neue AKW&#039;s werden geplant... das ist einfach keine Option. Weniger Energieverbrauch ist angesagt. &gt; http://www.fokusantiatom.ch/ 

Was denn?
Wenn schon nur alle Leuchtreklamen nicht mehr leuchten, sparen wir jede Menge Strom; ohne dass es uns auch nur ein bisschen weh tut - im Gegenteil... dann sehen wir plötzlich wieder die Schönheit des Sternenhimmels, auch in den Städten und Agglomerationen. 
Dasselbe mit den Strassenbeleuchtungen: Wenn überhaupt, dann deutlich weniger davon und  wirklich nur in tatsächlichen Gefahrenzonen; zudem auch deutlich weniger hell scheinende Leuchtmittel, als heute überall neu eingesetzt werden... die haben nicht begriffen, wie Stromsparlampen zu verwenden sind. Und schliesslich einfach konsequent die Lampen in den Räumen löschen, wenn ich als letzte Person rausgehe. Diese Massnahmen alleine bewirken, dass wir jede Menge Strom gar nicht erst produzieren müssen. Strom, den wir heute einfach nur verschwenden ohne jeglichen Nutzen. 

Umdenken und bewusster leben ist angesagt - auch im direkten Umgang mit Energie. 
Wenn wir neue AKW&#039;s zulassen, dann wird der Bewusstseinswandel verzögert, auch bei jeder/m Einzelnen von uns. Wollen wir das? Ich nicht! Also aktiv Position beziehen, statt einfach den Lobbyisten das Zepter überlassen und nachher knurren. &gt; http://www.fokusantiatom.ch/]]></description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Neue AKW&#8217;s werden geplant&#8230; das ist einfach keine Option. Weniger Energieverbrauch ist angesagt. &gt; <a href="http://www.fokusantiatom.ch/" rel="nofollow">http://www.fokusantiatom.ch/</a> </p>
<p>Was denn?<br />
Wenn schon nur alle Leuchtreklamen nicht mehr leuchten, sparen wir jede Menge Strom; ohne dass es uns auch nur ein bisschen weh tut &#8211; im Gegenteil&#8230; dann sehen wir plötzlich wieder die Schönheit des Sternenhimmels, auch in den Städten und Agglomerationen.<br />
Dasselbe mit den Strassenbeleuchtungen: Wenn überhaupt, dann deutlich weniger davon und  wirklich nur in tatsächlichen Gefahrenzonen; zudem auch deutlich weniger hell scheinende Leuchtmittel, als heute überall neu eingesetzt werden&#8230; die haben nicht begriffen, wie Stromsparlampen zu verwenden sind. Und schliesslich einfach konsequent die Lampen in den Räumen löschen, wenn ich als letzte Person rausgehe. Diese Massnahmen alleine bewirken, dass wir jede Menge Strom gar nicht erst produzieren müssen. Strom, den wir heute einfach nur verschwenden ohne jeglichen Nutzen. </p>
<p>Umdenken und bewusster leben ist angesagt &#8211; auch im direkten Umgang mit Energie.<br />
Wenn wir neue AKW&#8217;s zulassen, dann wird der Bewusstseinswandel verzögert, auch bei jeder/m Einzelnen von uns. Wollen wir das? Ich nicht! Also aktiv Position beziehen, statt einfach den Lobbyisten das Zepter überlassen und nachher knurren. &gt; <a href="http://www.fokusantiatom.ch/" rel="nofollow">http://www.fokusantiatom.ch/</a></p>
]]></content:encoded>
	</item>
	<item>
		<title>Von: einfachesleben</title>
		<link>http://de.lovos.org/#comment-3</link>
		<dc:creator><![CDATA[einfachesleben]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 01 Jan 2010 21:08:12 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://einfachesleben.wordpress.com/?page_id=142#comment-3</guid>
		<description><![CDATA[LEOPOLD KOHR - den Namen schon gehört?
&quot;Leopold Kohr ist der Wegweiser aus dem Irrweg des globalisierten Grössenwahns. Er hat als erster gewarnt, dass eine Gesellschaft ohne menschliches Mass unmenschlich ist.&quot; (Jakob von Uexküll, Stifter des alternativen Nobelpreises)

Für mich jedoch bis vorgestern ein völlig Unbekannter... André (ein Freund von mir) hat mir auf den Jahreswechsel den Hinweis auf diesen Denker gegeben, den ich hiermit gerne an die BesucherInnen von lovos.org weitergeben möchte.

Leopold Kohr soll hier stellvertretend stehen für die vielen Menschen - wie auch dich und mich! -, die erkennen, dass &quot;die Welt nicht mehr rund dreht&quot;. Die deshalb sehr spannende nachhaltige Lösungsansätze (ganz kleine bis hin zu Gesellschaftskonzepten - egal!) entwickeln und zum Teil auch kommunizieren. Und die in der Gesellschaft (noch!) viel zu wenig Beachtung finden (was es zu ändern gilt!).

Leopold Kohr entwickelte unter anderem die Geschwindigkeitstheorie (slow is beautiful), rehabilitierte den Anarchismus als politische Theorie und kreierte auch die &quot;Philosophie der Grösse&quot; - wofür er den Alternativen Nobelpreis erhielt. Daraus hier ein kleiner Auszug: 
„Die Größe – Kohr meint nicht die absolute, sondern die relative, die zu große Größe – [...] scheint das zentrale Problem der Schöpfung zu sein. Wo immer etwas fehlerhaft ist, ist es zu groß. [...] Die Größe – und nur die Größe! – ist das zentrale Problem der menschlichen Existenz, im sozialen und im physischen Sinn“. (Das Ende der Großen, Einleitung). Folglich gibt es für Kohr auch nur eine Rettung: „[...] die Idee und das Ideal der Kleinheit als einziges Serum gegen die krebsartige Wucherung der Übergröße [...]“. (a.a.O.) [Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Leopold_Kohr]
-----------
Je mehr ich recherchiere und mich auch mit anderen &quot;Querdenkenden&quot; vernetze, desto mehr entdecke ich mit Staunen, wie viele (heute betrachtet) geradezu unglaublich präzise Prognosen als auch Empfehlungen von beobachtenden und denkenden Menschen bereits seit Jahrzehnten gemacht werden - sowohl zu unserer heutigen Gesellschaftsproblematik als auch zum (schlussendlich die Lebensbedingungen für uns Menschen) zerstörerischen Raubbau an der Natur. 
Es ist also schon seit ca. drei Generationen absehbar, dass die westlichen Gesellschaften mit dem Lebensstil, der vor ca. 150 Jahren in die Wege geleitet worden ist, uns in die desolate Situation bringt, in der wir uns heute befinden (die für viele Mitmenschen paradoxerweise als &quot;goldenes Zeitalter&quot; erlebt wird)! 
 
Meine Folgerung hieraus: Es stellt sich jetzt nicht mehr die Aufgabe für uns, &quot;das Rad neu zu erfinden&quot; und darüber zu debattieren, denn gute nachhaltige Ansätze für eine Zukunft mit Perspektive für die Erde und alles Leben auf ihr gibt es bereits zu Hauf. 
Es gilt meines Erachtens vielmehr zu HANDELN, zu HANDELN, zu HANDELN! 
Darauf zu spekulieren, dass die Initialzündung dazu aus Politik und Wirtschaft kommt... das ist in sich absurd (siehe nur Kopenhagen, Dezember 2009). Die Lösung kommt seltenst von denen, die das Problem schaffen; nicht unbedingt, weil sie nicht wollen, sondern oftmals (und das scheint mir in unserer Gesellschaft der Fall) weil sie nicht (mehr) können... das System ist zu gross und komplex geworden, als dass es noch im Sinne von Menschen mit Ethik und Moral funktioniert &gt; siehe Leopold Kohrs &quot;Philosophie der Grösse&quot;.

Ich bin der klaren Meinung, dass wir die Aufgabe von der Basis - sprich jeder/jedem Einzelnen uns - im Kleinen angehen und lösen müssen? Jede/r darf/kann/soll/muss bei sich ganz persönlich verändern, was aus der persönlichen Sicht der Dinge nicht zu einem (be)freien(den) nachhaltigen gesunden und lebenswerten Lebensstil passt. Das ist etwas, das ganz sicher nur von etwas abhängt: Von dem ganz persönlichen Wollen; denn - und seien es noch so kleine Dinge (z.B. gerade im persönlichen tagtäglichen Konsum) - Können tun 95% der Menschen unserer Gesellschaft bestens. Wir entscheiden tagtäglich, was wir tun oder lassen... tun wir es richtig, also ganz nach dem Leitsatz: &quot;Was du willst, dass man dir tu, dass füg&#039; auch allen Anderen zu!&quot; ;-)]]></description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>LEOPOLD KOHR &#8211; den Namen schon gehört?<br />
&#8220;Leopold Kohr ist der Wegweiser aus dem Irrweg des globalisierten Grössenwahns. Er hat als erster gewarnt, dass eine Gesellschaft ohne menschliches Mass unmenschlich ist.&#8221; (Jakob von Uexküll, Stifter des alternativen Nobelpreises)</p>
<p>Für mich jedoch bis vorgestern ein völlig Unbekannter&#8230; André (ein Freund von mir) hat mir auf den Jahreswechsel den Hinweis auf diesen Denker gegeben, den ich hiermit gerne an die BesucherInnen von lovos.org weitergeben möchte.</p>
<p>Leopold Kohr soll hier stellvertretend stehen für die vielen Menschen &#8211; wie auch dich und mich! -, die erkennen, dass &#8220;die Welt nicht mehr rund dreht&#8221;. Die deshalb sehr spannende nachhaltige Lösungsansätze (ganz kleine bis hin zu Gesellschaftskonzepten &#8211; egal!) entwickeln und zum Teil auch kommunizieren. Und die in der Gesellschaft (noch!) viel zu wenig Beachtung finden (was es zu ändern gilt!).</p>
<p>Leopold Kohr entwickelte unter anderem die Geschwindigkeitstheorie (slow is beautiful), rehabilitierte den Anarchismus als politische Theorie und kreierte auch die &#8220;Philosophie der Grösse&#8221; &#8211; wofür er den Alternativen Nobelpreis erhielt. Daraus hier ein kleiner Auszug:<br />
„Die Größe – Kohr meint nicht die absolute, sondern die relative, die zu große Größe – [...] scheint das zentrale Problem der Schöpfung zu sein. Wo immer etwas fehlerhaft ist, ist es zu groß. [...] Die Größe – und nur die Größe! – ist das zentrale Problem der menschlichen Existenz, im sozialen und im physischen Sinn“. (Das Ende der Großen, Einleitung). Folglich gibt es für Kohr auch nur eine Rettung: „[...] die Idee und das Ideal der Kleinheit als einziges Serum gegen die krebsartige Wucherung der Übergröße [...]“. (a.a.O.) [Quelle: <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Leopold_Kohr" rel="nofollow">http://de.wikipedia.org/wiki/Leopold_Kohr</a><br />
&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;<br />
Je mehr ich recherchiere und mich auch mit anderen &#8220;Querdenkenden&#8221; vernetze, desto mehr entdecke ich mit Staunen, wie viele (heute betrachtet) geradezu unglaublich präzise Prognosen als auch Empfehlungen von beobachtenden und denkenden Menschen bereits seit Jahrzehnten gemacht werden &#8211; sowohl zu unserer heutigen Gesellschaftsproblematik als auch zum (schlussendlich die Lebensbedingungen für uns Menschen) zerstörerischen Raubbau an der Natur.<br />
Es ist also schon seit ca. drei Generationen absehbar, dass die westlichen Gesellschaften mit dem Lebensstil, der vor ca. 150 Jahren in die Wege geleitet worden ist, uns in die desolate Situation bringt, in der wir uns heute befinden (die für viele Mitmenschen paradoxerweise als &#8220;goldenes Zeitalter&#8221; erlebt wird)! </p>
<p>Meine Folgerung hieraus: Es stellt sich jetzt nicht mehr die Aufgabe für uns, &#8220;das Rad neu zu erfinden&#8221; und darüber zu debattieren, denn gute nachhaltige Ansätze für eine Zukunft mit Perspektive für die Erde und alles Leben auf ihr gibt es bereits zu Hauf.<br />
Es gilt meines Erachtens vielmehr zu HANDELN, zu HANDELN, zu HANDELN!<br />
Darauf zu spekulieren, dass die Initialzündung dazu aus Politik und Wirtschaft kommt&#8230; das ist in sich absurd (siehe nur Kopenhagen, Dezember 2009). Die Lösung kommt seltenst von denen, die das Problem schaffen; nicht unbedingt, weil sie nicht wollen, sondern oftmals (und das scheint mir in unserer Gesellschaft der Fall) weil sie nicht (mehr) können&#8230; das System ist zu gross und komplex geworden, als dass es noch im Sinne von Menschen mit Ethik und Moral funktioniert &gt; siehe Leopold Kohrs &#8220;Philosophie der Grösse&#8221;.</p>
<p>Ich bin der klaren Meinung, dass wir die Aufgabe von der Basis &#8211; sprich jeder/jedem Einzelnen uns &#8211; im Kleinen angehen und lösen müssen? Jede/r darf/kann/soll/muss bei sich ganz persönlich verändern, was aus der persönlichen Sicht der Dinge nicht zu einem (be)freien(den) nachhaltigen gesunden und lebenswerten Lebensstil passt. Das ist etwas, das ganz sicher nur von etwas abhängt: Von dem ganz persönlichen Wollen; denn &#8211; und seien es noch so kleine Dinge (z.B. gerade im persönlichen tagtäglichen Konsum) &#8211; Können tun 95% der Menschen unserer Gesellschaft bestens. Wir entscheiden tagtäglich, was wir tun oder lassen&#8230; tun wir es richtig, also ganz nach dem Leitsatz: &#8220;Was du willst, dass man dir tu, dass füg&#8217; auch allen Anderen zu!&#8221; <img src='http://s1.wp.com/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' /> </p>
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